Klassik statt Klingel

Mit diesem Projekt hofft Prof. Robert Leonardy, junge Hörer „spielend” mit klassischen Musikstücken vertraut zu machen und langfristig die Freude an der Klassischen Musik zu wecken, auf jeden Fall aber eine Reaktion auf die wechselnden Musikstücke zu erreichen. Im Rahmen dieses Projekts wird der altbekannte Schul-Pausengong ersetzt. Stattdessen gibt es Einspielungen aus den Meisterwerken der Klassik, nicht etwa in Klingelton-Qualität, sondern gespielt von den größten Orchestern. Die 200 Musikstücke befinden sich in einer Datenbank, die von den Schülern selbstständig verwaltet und erweitert werden soll. Desweiteren wird zu jedem Musikstück eine ausführliche Dokumentation, sowohl über den Komponisten als auch über das Stück selbst mitgeliefert. Prof. Robert Leonardys Ziel ist es, dass die Schüler nach vier Jahren das Grundwissen der Klassischen Musik besitzen, welches als wichtiger kultureller Teil der Allgemeinbildung die weitere Entwicklung junger Menschen positiv beeinflusst. Die Resonanz der Medien und Schulen war bislang sehr groß, so dass sich dieses Projekt auf einem guten Weg befindet.

Berichte aus der Praxis

Markus Ranzenberger, Neubergschule, Wilhelmstraße 48, 69221 Dossenheim

Wir arbeiten seit einem Jahr mit “Klassik statt Klingel” und es ist aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken. Die Kinder, Lehrkräfte, Eltern und alle, die die Schule besuchen, sind begeistert von der Idee, das schnöde Pausenklingeln oder den langweiligen Pausengong durch kleine Melodien zu ersetzen. Die SchülerInnen machen inzwischen selbst klassische Musikvorschläge und sind ganz stolz, wenn “ihre” Musik einen Monat lang erklingt. Durch die mitgelieferten Begleitmaterialien zum Unterricht lernen die Kinder den Komponisten und seine Werke kennen. Nach ein paar Tagen singen sie zu jeder Pause das Thema mit und möchten, falls es ihnen gefällt, noch mehr Werke des großen Meisters kennen lernen. Die GEMA-Gebühr ist auch kein Problem mehr, da diese durch den Rahmenvertrag (in BW) mit den Gemeinden für unterrichtliche Zwecke abgedeckt ist. Diese Idee von Herrn Prof. Robert Leonardy sollte Schule machen und flächendeckend eingesetzt werden. Die Installation ist denkbar einfach, indem ein PC mit dem Audioeingang der Klingelanlage verbunden wird und durch eine kleine USB-Funkuhr in Verbindung mit der Windows-Uhr punktgenau das Pausensignal sendet. Ich werde weiterhin in meiner Eigenschaft als Musik-Fachberater Werbung machen für diese einmalige Idee und hoffe, dass viele Schulen unserem Beispiel folgen werden.

Ulrich Heger, Schulleiter des Gymnasiums am Stadtgarten, Holtzendorffer Straße 1, 66740 Saarlouis

Begonnen hat alles mit einer Gesamtkonferenz am 28.02.02. Unter TOP1 stand: „Experiment mit klassischer Musik als Pausenzeichen“. In dieser Konferenz hat Prof. Leonardy sein Projekt vorgestellt, und es ist ihm etwas gelungen, was mir als Schulleiter nicht immer gelingt: Sein Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Nun, warum gerade das Stadtgartengymnasium? Er hat mir gesagt, dass er als Hülzweiler Bub eine besondere Beziehung zu Saarlouis habe, und einige unserer Musiklehrer seine Schüler gewesen seien. Am 23.05.05 fand dann ein Vorgespräch mit Prof. Leonardy statt, an dem neben der Schulleitung und unseren Musiklehrern auch Vertreter des Kultusministeriums teilnahmen. Es ging dabei primär um rechtliche und finanzielle Fragestellungen. Nachdem diese gelöst waren, wurde dann die technische Umsetzung des Projekts „Klassik statt Klingel“ diskutiert. In einem weiteren Gespräch mit Prof. Leonardy stand dann die Frage der musikalischen Umsetzung auf der Tagesordnung.

Ich darf einige Fragen aufwerfen, über die wir gesprochen haben und darf unsere Antworten darauf geben. Dabei waren wir uns einig, dass in dieser Probephase keine endgültigen Antworten gegeben werden können und wir auf die Rückmeldungen des Kollegiums und der Schülerschaft angewiesen sind und diese auch einfordern werden.

  • Wie viele Musikstücke sollen täglich als Klassikgong ertönen?
  • Wir haben festgelegt, dass wir an einem Tag nur zwei verschiedene Musikstücke über unsere Anlage laufen lassen und dies eine Woche lang. In der nächsten Woche werden dann zwei weitere andere Musikstücke zu hören sein.
  • Welche der 20 Gongs sollen Klassikgongs werden?

Dabei war zu beachten, dass die Klassikgongs länger als der normale Gong sind und der Unterricht nicht gestört werden sollte. Wir haben eine, wie wir finden, ideale Lösung gefunden. Der Unterrichtstag beginnt bei uns mit einem Vorgong, um 7.40 Uhr. Dies wird ein Klassikgong sein. Der Unterricht beginnt dann um 7.45 Uhr mit dem normalen Gong. So wird es auch am Ende des Tages sein. Die Schüler werden mit einem Klassikgong nach Hause entlassen. Wir haben hier an der Schule drei große Pausen. Unsere Schülerinnen und Schüler werden mit einem Klassikgong in die Pause entlassen und mit einem weiteren Klassikgong in die Klassenräume zurückgerufen. Es sind also 8 Klassikgongs am Tag zu hören, viermal Musikstück1 und viermal Musikstück 2. In der ersten Woche waren dies aus „Carmen“ von Georges Bizet Prelude 1 und Prelude 2, in dieser Woche sind es ein Ausschnitt aus dem „Bolero“ von Ravel und ein Ausschnitt aus dem 1. Satz der g-moll Sinfonie von Mozart.

  • Wer entscheidet, welche beiden Musikstücke z.B. in der nächsten Woche ausgewählt werden?

Nun, wir haben gesagt, dass dies am Anfang die Musiklehrer übernehmen sollten. Ich fände es aber gut, wenn Schülerinnen und Schüler mit eingebunden würden.

  • Wie werden die Schülerinnen und Schüler über die Komponisten und die Musikstücke informiert?

Am Treppenaufgang ist eine Schautafel angebracht, wo sich die Schülerinnen und Schüler über den Komponisten und das musikalische Werk informieren können. In der ersten Woche konnten sie sich über Georges Bizet und „Carmen“ kundig machen. Nun, welche Technik, welche Hardware ist erforderlich? Welche Probleme sind hier zu lösen? Ich darf einige nennen:

  • Welches Medium zur Musikübertragung ist optimal? Wir haben einen festplattengestützten PC gewählt, der im Sekretariat steht.
  • Wie sieht es mit der Zeitsteuerung aus? Wir werden eine funkgesteuerte Uhr benutzen.
  • Wie wird der PC in die vorhanden Alarmierungsanlage integriert?
  • Wie kann man die Hintergrundgeräusche, wie Rauschen und Brummen, minimieren?

Probleme, die ein Team hier vor Ort hervorragend gelöst hat. Ich habe damals bei der Begrüßung gesagt: “Ich bin sicher, dass dies ein erfolgreiches Projekt wird und glaube auch, dass alle die Ziele, die Sie, sehr geehrte Herr Prof. Leonardy, mit diesem Projekt verbinden, erreicht werden.“

Sieben Schulwochen später sehe ich meine Prognose bestätigt. Das Projekt „Klassik statt Klingel“ ist ein voller Erfolg geworden. Ich höre immer häufiger, dass unsere Schülerinnen und Schüler wie auch die Lehrer die Musikgongs vor sich hin pfeifen oder summen. Ich höre, dass immer mehr Schülerinnen und Schüler sich zu Weihnachten die CD’s wünschen, aus denen sie Motive gehört haben. Die Kolleginnen und Kollegen berichten, dass sich die Atmosphäre in der Schule gebessert hat, dass durch das Einspielen der Musik mehr Ruhe und Besinnlichkeit eingekehrt ist.

Am Wochenende freuen sich die Schülerinnen und Schüler schon auf den Montag, an dem zum ersten Mal in der Woche die neuen Musikgongs zu hören sind. „,Ich bin mal gespannt, was am Montag zu hören ist“ oder “Ob mir das gefällt?“ oder „Habe ich das nicht schon mal gehört?“, all dies sind Fragen, die ich von Schülerseite immer häufiger höre.

Ich kann als Schulleiter eines Gymnasiums mit über 1200 Schülern und 85 Lehrern jedem empfehlen, sich über das Projekt zu informieren und es in den Schulalltag zu integrieren.