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Saarbrücken – Paris in 1:50 Saarland – wir sind am Zug! Zu(g)gegeben, der Mont Blanc ragt ein wenig imposanter gen Himmel als der Schaumberg, die Freiheitsstatue von New York ist als Weltkulturerbe ein bisschen bekannter als die Völklinger Hütte. Und auf dem Jakobsweg pilgern jährlich mehr Menschen nach Santiago de Compostela als auf dem Felsenweg rund um Waldhölzbach.
Und was sagt uns das? Dass man ruhig in alle Welt reisen soll, wenn man sehen will, was man ohnehin schon kennt. Dass man aber ins Saarland kommen muss, wenn man überwinden will, was man zu kennen glaubt.
Das Saarland existiert gleich doppelt, einmal als Klischee – und einmal in der Wirklichkeit. Das Klischee-Saarland ist ewiges Zankgebiet der deutsch-französischen Geschichte, eine Industrieregion, deren Zechengräber und Stahlruinen die globalisierte Wissensgesellschaft im 20. Jahrhundert zurückgelassen hat. Und Brutstätte jenes höchst eigenwilligen Politikertyps, der entweder, wie Erich Honecker, gern Mauern baut oder, wie Oskar Lafontaine, gern die eigene Partei einreißt. Seine Einwohner, die Saarländer, schlemmen sich mit Weisheiten durchs Leben wie: „Der Mensch denkt, Gott lenkt – und der Saarländer schwenkt.“ Doch wer ins Saarland kommt, landet nicht im Klischee, nicht in der deutschen Provinz. Er landet in der Wirklichkeit, in einer Region, die überkommene Vorstellungen längst hinter sich gelassen hat; er landet in einem aufstrebenden Kulturland im Herzen Europas. Und seitdem die Deutsche Bahn und die französische SNCF die neue Schnellverbindung zwischen Paris und Frankfurt, beziehungsweise zwischen Paris und Stuttgart eingerichtet hat, sind kulturelle Höhepunkte wie etwa das Max-Ophüls-Festival oder die Musikfestspiele Saar schneller zu erreichen als je zuvor. Das Saarland ist jetzt am Zug. Es hat genug von der Gemütlichkeit, von seinem Underdog-Sein, vom Spott der anderen, der allenfalls geografisch Größeren. Es hat erkannt, dass es in einer Welt der permanenten Beschleunigung nicht darauf ankommt, ob man nun groß oder klein ist, sondern ob man zu den Schnellen oder den Langsamen gehört. Und seitdem es zu den Schnellen gehört, haben die Saarländer auch ihren latenten Minderwertigkeitskomplex überwunden, verspätete Deutsche zu sein, die erst 1957 der Bundes-republik beigetreten sind. Mit neuem Selbstbewusstsein sind die Saarländer, längst stolze Bewohner des ersten neuen Bundeslandes, unterwegs von den Kohlegruben der Vergangenheit in die High-Tech-Labore der Zukunft. Mit der Nanotechnologie, mit Max-Planck-Instituten, mit dem Cluster-Building ist der Saarländer heute jedenfalls vertrauter als mit dem Flöz, dem Stahlkocher, dem Steiger. Der Saarländer ist dabei, eine Erfolgsgeschichte zu werden. Nicht mit Laptop und Lederhose. Aber mit Lichtfaser und Lyonerringel. Peter Dausend |

