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  Villeroy & Boch: Export von Lebensstil – eine Erfolgsgeschichte

Als „Europäer der ersten Stunde“ bezeichnete einmal Altkanzler Helmut Kohl das Unternehmen Villeroy & Boch, das in diesem Jahr sein 260-jähriges Bestehen feiert. Pionier und Vordenker war das heute international agierende Unternehmen auch auf vielen anderen Gebieten.

Als Manufakturen noch das Bild des europäischen Erwerbslebens bestimmten, gingen die Bochs um 1767 bereits zu frühindustriellen Produktionsstrukturen über. Mitte des 19. Jh., als der Begriff des Global Players noch in weiter Ferne lag, exportierte Villeroy & Boch über Europa hinaus in die USA, nach Russland und China. Es waren die Bochs und Villeroys selbst, die in acht Generationen eine komplexe Unternehmenskultur schufen, die gekennzeichnet ist durch Innovationskraft, Verbraucherorientierung, Internationalität und eine enge Verbundenheit mit der europäischen Kultur.

Quereinsteiger François Boch. Lothringen war noch ein selbständiges Herzogtum, als sich 1748 der Kanonengießer François Boch entschloss, sein Gewerbe auf friedvollere Ziele umzustellen und eine kleine Töpferei gründete. Eine unternehmerische Neuorientierung, an die seine drei Söhne anknüpften. Als die politische Lage dazu zwang, einen neuen Produktionsstandort zu suchen, gründeten die Brüder 1767 ein Werk im luxemburgischen Septfontaines mit frühindustrieller Serienfertigung. Ein bedeutender Technologieschub gelang Jean-François Boch 1829 mit der Entwicklung eines hell weißen, extrem festen Steinguts.

Demokratisierung der Tischkultur. Wie seine Vorgänger blieb Jean-François den Unternehmensprinzipien treu, Gebrauchsgegenstände qualitätsoptimiert in hohen Stückzahlen zu fertigen und für breitere Schichten erschwinglich zu machen. Nun gab es eine überzeugende Alternative zum Porzellan, das mit seiner geheim gehaltenen Rezeptur lange Zeit nur für den Adel erschwinglich war. Dies brachte im 18./19. Jh. ein Stück adeliger Tischkultur in die Häuser des Bürgertums.

Fliesen als neues Standbein. Um die Position im Wettbewerb zu stärken, fusionierte JeanFrançois Boch 1836 mit seinem Konkurrenten Nicolas Villeroy. Europaweit als Geschirrlieferant erfolgreich betrat Villeroy & Boch 1846 Neuland im Produktbereich: Man begann mit der Herstellung von Fliesen, die auch außerhalb Europas breiten Absatz fanden. Verlegt wurden sie beispielsweise im Kölner Dom oder im Moskauer Bolschoitheater, an dessen aktueller Renovierung Villeroy & Boch beteiligt ist. Die hochwertige und gestalterisch vielfältige Fliesenkollektion von Villeroy & Boch ist bis heute ein wichtiger Bestandteil des Angebots, vor allem im Rahmen des Komplettbades.

Marktchance Privatbad. Fliesen wurden bereits Ende des 19. Jh. aufgrund ihrer Pflegeleichtigkeit und hygieni-schen Qualitäten vor allem in Badeanstalten eingesetzt. Die Bochs und Villeroys erkannten zudem die Möglichkeiten, die in der Ausgestaltung des Privatbades lagen und befassten sich daher auch mit Sanitärprodukten, die noch um 1900 kaum verbreitet waren. Durch die Einführung des Feuertons, einer besonders festen Keramik, gelang Villeroy & Boch die Großproduktion von Wannen und Toiletten. Wieder war es ein Technologiesprung, der eine kosteneffiziente Herstellung ermöglichte. Seiner Zeit voraus ging Villeroy & Boch im 20. Jh. daran, das Bad als Wohn- und Lebensraum neu zu entdecken. Eine Vision, zu deren Umsetzung Villeroy & Boch 1975 den Designer Luigi Colani engagierte. Er war es, der Ergonomie und Funktionalität des Bades erstmalig thematisierte und Farbe in diesen Raum brachte. Dem Trend zur Wohnlichkeit des Bades, der gerade heute den Markt bestimmt, kommt Villeroy & Boch mit seinem Komplettangebot entgegen. Es umfasst – in harmonischer Abstimmung – Sanitärprodukte, Badmöbel, Armaturen, Fliesen und vor allem moderne Wellness-Produkte wie Whirlpools, Dampfduschen usw. Mit einem solch ganzheitlichen Badangebot in vier unterschiedlichen Lifestyles hebt sich Villeroy & Boch weltweit von seinen Mitbewerbern ab. Sichtbar und für den Konsumenten erlebbar wird es in den Inszenierungen der Marken-Shops „The House of Villeroy & Boch“, die es in vielfältiger Ausprägung auch im Tischkulturbereich gibt.

Premiummarke auf internationalen Märkten. Es sind gerade diese Shops, die die Marke Villeroy & Boch weltweit – in 125 Ländern – repräsentieren. Nach wie vor ist sie stark auf dem europäischen Markt, wo das Unternehmen in den letzten zehn Jahren ein Wachstum von rd. 50 % verzeichnet. Zugleich hat Villeroy & Boch auch globale Märkte ins Visier genommen. Um seine Position in Nord- und in Südamerika auszubauen, kaufte das Unternehmen 2006 drei mexikanische Sanitärwerke. Zu den wichtigsten strategischen Zielen des Konzerns gehört ein deutliches Wachstum auf den asiatischen Märkten. Das 2008 erworbene Sanitärwerk in Thailand bietet auch geographisch eine ideale Plattform, um flexibel auf diese dynamische Wirtschaftsregion zu reagieren. Im Bereich Tischkultur ist Villeroy & Boch bereits global aufgestellt. Im letzten Jahr wurden Shops in Peking, Shanghai, Hyderabad, Mumbai, Dammam, Amman, Quatar, Dubai usw. eröffnet. Auf diesen neuen Märkten in China, Indien, den Emiraten, Russland usw. hat sich eine Konsumentenschicht gebildet, für die traditionsreiche europäische Premiummarken eine besondere Ausstrahlung haben. „Daher ist die Marke Villeroy & Boch“, so Vorstandssprecher Frank Göring, „gerade hier der Schlüssel zum Erfolg. Unser Ziel ist es, den außereuropäischen Umsatz, der 2007 18 % betrug, mittelfristig auf 30 % zu steigern. Ein enormes Potenzial sehen wir im Ausbau des Objektgeschäftes. Beispielsweise haben wir in Dubai zehn Tower der Golden Mile, Palm Island, mit 4.000 Bädern ausgestattet.“

Innovationsstärke im Wettbewerb. Innovations-stärke gehört traditionell zu den wesentlichen Charakterzügen der Marke Villeroy & Boch. Die lange Geschichte des Hauses bietet eine Fülle von Beispielen und gerade heute bedeutet Innovationskraft einen Wettbewerbsvorteil auf dem internationalen Markt. 2005 erhielt das Unternehmen für Technik und Design der asymmetrischen Tischkulturserie „NewWave“ den begehrten „Innovationspreis der deutschen Wirtschaft“. Zu den marktstarken Innovationen, deren Orientierungspunkt immer die Bedürfnisse und Wünsche der Konsumenten sind, gehören u. a. die pflegeleichte Oberfläche Ceramicplus, das geruchsbeseitigende PurAir WC, die unsichtbaren Whirlpool-Düsen Invisible Jets oder der Werkstoff Quaryl für hochwertige Wellness-Produkte.

Alte Abtei Mettlach. Das Unternehmen Villeroy & Boch, das seit 1990 an der Börse notiert ist und 24 Werke in Europa, Thailand und Mexiko besitzt, hat seinen Hauptsitz in der Alten Abtei in Mettlach an der Saar. Jean-François Boch erwarb 1809 das im Zuge der Säkularisierung stark zerstörte Barock-Gebäude und baute es zur Fabrik aus. Aufwändig restauriert bilden die Säle und Kreuzgänge heute einen repräsentativen Rahmen für verschiedenste Veranstaltungen. Auch das Keramikmuseum mit seiner 17.000 Keramiken umfassenden Sammlung ist in der Abtei untergebracht. Weitere Sehenswürdigkeiten erwarten die Besucher im angrenzenden Park: der „Alte Turm“, das älteste Baudenkmal des Saarlandes, der Schinkel-Brunnen – ein Geschenk des Kronprinzen Friedrich Wilhelm an Jean-François Boch – und der „Living Planet Square“, ein Pavillon, den der WWF zur Expo 2000 in Hannover gestalten ließ. Das Unternehmen, dessen vielfältige und lebendige Geschichte überall spürbar wird, zählt jährlich rund 100.000 Besucher.



Weitere Informationen unter:
www.villeroy-boch.com